Wie ein Hafen liegt die piemontesische Stadt Novara inmitten einer von Reisfeldern beherrschten Ebene. Bereits lange vor den Römern besiedelt, wurde die Stadt im 1. Jh. v. Chr. zu einem Municipium erhoben und entwickelte sich im Laufe der römischen Kaiserzeit zu einem blühenden Zentrum. Noch heute sichtbare Zeugen dieser Ära sind die Reste des Mauerrings auf der Piazza Cavour. Neben weiteren (kunst-)historischen Sehenswürdigkeiten lädt Novaras Altstadt auch dank ihrer herrschaftlichen Palazzi und ihrer schönen Kolonnaden zu einem Besuch fernab vom Stress der Großstadt ein.
Als Ausgangspunkt für die Erkundung Novaras bietet sich gut die neoklassizistische Piazza Martiri della Libertà an. Südlich des Platzes erhebt sich das Castello Sforzesco, das trotz seines baufälligen Zustandes noch immer sehr beeindruckend ist. Das 1888 eingeweihte Teatro Coccia säumt die Ostseite der Piazza und an ihrer Nordseite steht schließlich der Palazzo Orelli, auch Palazzo del Mercato genannt, hatte in ihm doch einst die Landwirtschaftsbörse ihren Sitz. Die Via Fratelli Rosselli führt zum Duomo Santa Maria Assunta (19. Jh.), dessen neoklassizistische Struktur auf Alessandro Antonelli zurückgeht. Der Dom wurde auf einer romanischen Vorgängerkirche errichtet, aus der sich der Mosaikfußboden im Presbyterium erhalten hat. Ihm gegenüber erhebt sich das Baptisterium als ältestes Gebäude der Stadt (4./5. Jh.). Im Innenraum sind Fresken zu sehen, welche Szenen aus der Apokalypse abbilden (11. Jh.); ebenso ist das Jüngste Gericht dargestellt (15. Jh.). Der angeschlossene Kreuzgang ist nicht zuletzt wegen der hier ausgestellten archäologischen Fundstücke (z. B. Stelen aus dem 2. Jh. v. Chr.) eine wahre Kostbarkeit. Im ersten Stock seines Nordflügels befinden sich im Dommuseum noch weitere äußerst sehenswerte Exponate. Einen Besuch wert ist auch der Broletto, ein aus verschiedenen Epochen stammender Gebäudekomplex.
Das einstige politische Zentrum setzt sich aus den Palazzi del Podestà, dei Paratici, dei Referendari und dell’Arengo zusammen. Die bedeutendste Kirche Novaras ist die Basilica di San Gaudenzio, deren Bau nach den Plänen des Architekten Pellegrino Pellegrini, genannt Tibaldi, im Jahre 1659 vollendet wurde. Ihre 121 m hohe Kuppel, das Wahrzeichen der Stadt, das der Anreisende bereits aus der Ferne erblickt, ist ebenfalls ein Werk Alessandro Antonellis (Fertigstellung 1888). Sie wird von einer vergoldeten Christusfigur gekrönt. Im Innenraum der Basilika ist vor allem auf den Scurolo hinzuweisen, eine Art ebenerdige Krypta, in der die sterblichen Überreste von Novaras Schutzpatron, dem Heiligen Gaudenzio aufbewahrt werden. Darüber hinaus sind das Polyptychon Gaudenzio Ferraris (um 1516) in der Cappella della Natività sowie zahlreiche Gemälde aus dem 16. und 17. Jh. äußerst sehenswert. In unmittelbarer Nähe zur Basilika beherbergt der Palazzo Faraggiana ein sehr interessantes Naturkundliches Museum, in dem etwa 2500 ausgestopfte Tierexemplare aus aller Welt ausgestellt werden. Wiederum nur wenige Schritte entfernt trifft man auf den Corso Cavour, Novaras Flaniermeile, die den Spuren der alten Römerstraße folgt und von schönen Wohnhäusern und eleganten Geschäften gesäumt wird.
Östlich von Novara liegt die Stadt Galliate, in deren Zentrum sich ein enormes Backsteinkastell erhebt. Wurde mit dem Bau der Burg im Jahre 1476 unter den Sforza begonnen, so ging sie später in den Besitz von Ludovico Il Moro über, der sie zu einem schönen Jagdschloss umwandeln ließ. Von Galliate aus lässt sich gut das riesige Naturschutzgebiet des Parco Naturale Valle del Ticino erreichen. Einer der kunstgeschichtlich bedeutendsten Klosterkomplexe im Piemont ist die Abbazia di San Nazzaro Sesia südlich von Novara (Gründung 1040). Die mittlerweile restaurierte Abtei beeindruckt u. a. mit ihrem Glockenturm und spätgotischen Fresken.