Der südliche Abschnitt der Provinz Novara – sozusagen rund um die Hauptstadt herum – ist eine riesige, flache Ebene, für die vor allem Reisfelder charakteristisch sind. Am eindrucksvollsten erscheint sie, wenn die unzähligen Parzellen im Frühling geflutet werden. Dann verwandelt sich die sogenannte Bassa Novarese in eine schier endlos scheinende Lagune aus zersplitterten Wasserspiegeln, die von Dämmen, Pappeln und Kanälen unterbrochen werden. Da der lehmige Boden hervorragend das Wasser der vielen Flüsse und Kanäle speichert, wurde hier bereits vor 500 Jahren Reis angebaut. Doch erst im Zuge der Industrialisierung der Landwirtschaft im 19. Jh. hat man die modernen Reisfelder angelegt, so dass die Landschaft ihr heutiges „artifizielles“ Aussehen bekam. Zwischendrin ragen immer wieder vereinzelte Ortschaften, Burgen, Kirchen oder Gutshöfe auf.
Im Zentrum des ruhigen Dörfchens Tornaco steht die Villa Marzoni aus dem ausgehenden 19. Jh. Vom Vorgängerbau, einer Burg aus dem 15. Jh., haben sich der Torbogen sowie die Überbleibsel zweier Türme erhalten. Heute beherbergt die Villa ein ethnografisches Museum, das Einblicke in die örtliche Agrarwirtschaft bietet. Hauptplatz von Trecate, ein kleines Agrar- und Industriestädtchen antiken Ursprungs, ist die Piazza Cavour, hinter der sich wiederum die Pfarrkirche S. Maria Assunta (14. Jh.) erhebt. Obwohl mehrfach umgebaut, hat sich aus der Anfangszeit ein Fresko erhalten, das die Heilige S. Caterina d’Alessandria abbildet.
Auch wenn die ersten offiziellen Eintragungen von Borgolavezzaro – einer Ortschaft ganz im Südzipfel der Provinz – aus dem 11. Jh. stammen, belegen zahlreiche archäologische Fundstücke, dass bereits die Römer an dieser Stelle ansässig waren. Von hier aus führt eine Fahrradstrecke zum botanischen Garten Campo della Ghina, in dem die teilweise bereits verlorenen Habitate der Poebene rekonstruiert wurden. Orientiert man sich in nördliche Richtung, folgt auf die Ortschaft Vespolate das kleine Dorf Nibbiola, das sich um das Castello dei Tornielli drapiert. Bereits im 12. Jh. erhob sich hier eine Festung, die heutige Burg stammt jedoch aus dem 15. Jh. Im westlich gelegenen Casalino lohnen dagegen die Villa und der Park des Castello dei Leonardi einen Besuch. Da es sich dabei jedoch um Privatbesitz handelt, ist die Besichtigung nur im Rahmen von Ausstellungen möglich. Auch für die am Ortsausgang stehende Pfarrkirche San Pietro gelten Einschränkungen hinsichtlich der Besuchszeiten. Das dreischiffige Gotteshaus aus dem ausgehenden 11. Jh. hat viele bauliche Veränderungen erfahren. Es beherbergt Fresken aus dem 15. und 16. Jh.
Die dreischiffige, aus Flusssteinen errichtete Pfarrkirche San Pietro al Cimitero steht am Ortsausgang von Casalvolone. Sie ist romanischen Ursprungs, hat drei nach Osten ausgerichtete Apsiden und wird von einigen sehr schönen Fresken geschmückt. Der an das Gebäude angrenzende Glockenturm stammt noch von einer Vorgängerkirche. Das keine 5 km weiter nördlich liegende Agrarstädtchen Casalbeltrame ist Mitglied des italienischen Zirkels „Città Slow“ der Organisation Slow Food. Neben dem Castello-Ricetto lohnen hier das Agrarmuseum „L çivel“ sowie die Villa Bracorens Savoiroux einen Besuch. Letztere ist ein quirliges Kulturzentrum, in ihrem Garten steht ein riesiger Gingko Biloba. Mehr Flora und Fauna gibt es im unweit entfernten Riserva naturale della Palude di Casalbeltrame zu bestaunen. Das ca. 600 ha große Naturreservat setzt sich aus Wald, Heideland und Sumpfgebiet zusammen und bietet rund 200 Vogelarten eine Heimstatt. Einer der kunstgeschichtlich bedeutendsten Klosterkomplexe im Piemont ist die Abbazia dei Santi Nazario e Celso in der Ortschaft San Nazzaro Sesia ganz im Westen der Provinz. Die im Jahre 1040 gegründete und in der Mitte des 20. Jh. restaurierte Abtei beeindruckt u. a. mit ihrem Glockenturm, ihrem Kreuzgang und spätgotischen Fresken. Ondaland, das größte Erlebnisschwimmbad Italiens, befindet sich schließlich in Vicolungo.
Knapp 10 km nordöstlich von Novara liegt die kleine Stadt Cameri, in deren näherer Umgebung sich mehrere Gutshöfe von außergewöhnlicher künstlerischer und architektonischer Bedeutung erheben. Die Cascina Picchetta beispielsweise ist ein zweistöckiges Gebäude in U-Form mit interessanten Fresken und einem schönen Garten. Heute hat in dem Gebäude aus dem 16. Jh. die Verwaltung des Parco Naturale Valle del Ticino ihren Sitz. In der weiter westlich gelegenen Ortschaft Caltignaga sind dagegen das romanische Oratorium San Salvatore (ausgehendes 11. Jh.) sowie das von der Adelsfamilie Caccia errichtete Castello (15. Jh.) sehenswert. In Sillavengo schließlich lohnen die beiden Kirchen S. Maria Nova und S. Maria delle Grazie einen Besuch. Erstere besticht mit sehr schönen Fresken, ist allerdings nur im Rahmen von kulturellen Veranstaltungen zu besichtigen. Die Pfarrkirche S. Maria delle Grazie (16. Jh.) erhebt sich am Hauptplatz der Ortschaft. Ihre wertvolle Orgel ist ein Werk Giovanni Battista Gavinellis. Er baute sie in der zweiten Hälfte des 17. Jh., 1994 wurde sie restauriert.