
| Romagnano Sesia - Umgebung |
Die so genannte Cantina dei Santi ist das einzige verbliebene Zeugnis der tausendjährigen Benediktinerabtei von San Silvano. Sie wurde gegründet um das Jahr 1008 und besteht aus einem halb ober-, halb unterirdischen Gebäude, umringt und überragt von anderen Bauten. Angesichts der dürftigen Überlieferung bleibt ihre ursprüngliche Zweckbestimmung rätselhaft, auch wenn manches darauf hindeutet, dass sie von den Mönchen zunächst als Kapitelsaal und später als Keller genutzt wurde.
In dem alten Viertel namens Badia (Abtei) gelegen, in das man über eine kleine, mit dem Parco IV Novembre verbundene Gasse gelangt, zeigt sich die Cantina dei Santi mit den Originalmauern aus dem 11. Jh., die aus in Fischgrätmustern angeordneten Kieselsteinen und waagerecht laufenden Steinen zusammengefügt sind. Von einem breiten Atrium mit doppelter Säulenhalle, das von sieben Terrakottapfeilern gestützt wird, gelangt man in zwei überaus bemerkenswerte Räume: der hintere ist von geringem künstlerischem Interesse, aber er birgt eine interessante Sammlung sehr alter archäologischer Fundstücke, während der Raum, in den man zuerst gelangt, zur Rechten an allen Wänden einen sehr wertvollen Freskenzyklus aufweist, der in das 15. Jh. datiert werden kann und weitgehend gut erhalten ist. Diese Gemälde, die zu den wichtigsten in der ganzen Provinz Novara zählen, stellen einige biblische Szenen dar, insbesondere Episoden aus dem Leben des Königs David: eine ländliche Szene zeigt David als Hirten, der zum Schutz seiner Herde eine wilde Bestie tötet; ferner wird das feindliche Heer der Philister dargestellt, das sein Lager gegenüber dem Heer Israels aufschlägt; die Einkleidung Davids durch Saul; der Kampf gegen Goliath; die Flucht der besiegten Philister; David zeigt Saul den Kopf Goliaths; David tötet die Philister und verstümmelt ihre Vorhäute, um sie anschließend einzusammeln und sie Saul als Geschenk zu überreichen; die Hochzeit mit Michal.
Hinzuweisen ist auch auf das Wappen, das auf der Innenwand am Eingang in den Freskensaal angebracht ist und über der Tür noch ein zweites Mal erscheint: sechs senkrechte Streifen, abwechselnd rot und weiß, und darüber auf gelbem Grund ein stilisierter schwarzer Adler mit Krone, zu dessen Seiten die Buchstaben P und T (die vermutlich auf den Abt Pietro Tizzoni als Auftraggeber verweisen) und sechs geneigte Stäbe mit jeweils fünf brennenden Holzscheiten angeordnet sind.
Die Cantina dei Santi ist heute ein außergewöhnlicher Anziehungspunkt für Historiker und Kunstliebhaber, aber sie bietet sich bei wichtigen Ereignissen und Veranstaltungen auch als ansprechender Rahmen für eine Degustation der hochwertigen Weine dieser Gegend an. Viele Bauten im historischen Ortskern wurden mit Kieseln errichtet, die man dem Flussbett der Sesia entnahm und im Fischgrätmuster verbaute.
Auf dem Gipfel des Sopramonte-Hügels liegen die Reste einer mittelalterlichen Burg, die im 14. Jh. von Bartolomeo Tornielli errichtet wurde. Heute noch sind einige Mauerabschnitte aus großen Steinen zu erkennen, dann das Portal aus Ziegeln und ein alter Turm (11. oder 12. Jh.), der so hoch aufragt, dass er fast wie ein Symbol des ganzen Ortes wirkt. Nachrichten über die Burg sind uns durch den Bericht eines Magistraten und Humanisten aus Romagnano Sesia überliefert, Anselmo Prato, der diesen Ort als Schauplatz für sein Werk Beatrice di Sopramonte wählte.
Auch die kleine Madonnenkirche in der Burgruine sollte man besuchen: hier befindet sich ein Fresko aus der zweiten Hälfte des 15. Jh. mit einer Darstellung des Heiligen Sebastian und eines Bischofs (vielleicht der Heilige Gaudentius), ein Werk von Johannes de Campo.
Dieses kleine interessante Oratorium ist eines der ältesten seiner Art in der ganzen Provinz. Es stammt aus dem 11. Jh. und gehörte zum castrum Breclema, ein uraltes befestigtes Dorf, das im 14. Jh. vollständig zerstört wurde. Die Mauern bestehen aus Flusskieseln und einigen wieder verwendeten römischen Ziegeln.
Der quadratische Glockenturm ist offensichtlich auf den Fundamenten eines älteren Turms errichtet worden. An der Wand über dem Altar kann man ein kostbares Gemälde bewundern, auf dem die Muttergottes und der Heilige Hilarius dargestellt sind. Jüngste Ausgrabungen brachten einige interessante Funde ans Licht, die die Hypothese bestätigen, nach der diese Gegend schon länger bewohnt war als bisher angenommen. Einige Dokumente aus dem 17. Jh. sprechen davon, dass die Kirche während der Kriege und Epidemien dieser Zeit als Lazarett verwendet worden sein soll.
Eine historische Kuriosität am Rande: Hier starb am 30. April 1524 in einem Gefecht zwischen den französischen Truppen Franz’ I. und den kaiserlichen Karls V. der berühmte Ritter Baiard.