Wenn man von Orta aus in Richtung Süden fährt und nicht die Uferstraße, sondern die Route am Berghang darüber nimmt, gelangt man vom Ort Miasino aus zum kleinen Städtchen Armeno. Dieser altehrwürdige Ort ist sowohl durch eine feudale als auch herrschaftliche Kultur gekennzeichnet: Unter den Gebäuden des Ortes, die hier dicht gedrängt stehen, sticht die Villa Tornielli hervor, in der heute das Rathaus untergebracht ist. Zur Villa gehört auch ein sehr schöner Barockgarten.
Die Geschichte des Ortes Armeno ist, wie die vieler anderer Zentren im Cusio-Gebiet, an das Episkopat von Novara von 962 bis 1767 gebunden. Heute ist Armeno zu einem beliebten Ferienort geworden, der in der ganzen Welt vor allem für zwei Dinge berühmt geworden ist: Für seine exzellente Ausbildung in Gastronomie und Hotellerie. Hier wurden viele „maîtres d`hotel“, berühmte Küchen- und Hotelchefs, die heute in den besten Hotels der Welt arbeiten, ausgebildet.
Die Pfarrkirche Santa Maria Assunta ist das Wahrzeichen von Armeno und ist das beste Beispiel für ein romanisches Bauwerk im gesamten Cusio-Gebiet; die einfache und mystische Schönheit der Kirche bezaubert immer wieder Besucher des Stadtzentrums. Sie stammt aus dem 12. Jh. und ist mit behauenen Steinblöcken in gleichmäßiger Lage errichtet worden. Sie hat einen Grundriss in Form eines lateinischen Kreuzes sowie drei Schiffe mit Gewölben. An sie wurde ein Glockenturm mit viereckiger Basis angebaut, der etwa hundert Jahre älter ist als die Kirche. Die Strenge der Struktur wird von einer Umrahmung kleiner Steinhängebögen ausgeglichen, die von einer Reihe von Symbolen, kleinen Maskaronen und Steinköpfen gestützt wird.
An der Fassade fällt ein mit Säulen und Kapitellen verziertes Tor auf, auf dem geheimnisvolle Tierköpfe abgebildet sind. Im Inneren kann man nackte Steinwände sehen, die die Schlichtheit des Äußeren wiedergeben. Aber es sind auch kostbare Fresken aus dem 16. Jh. zu bestaunen, z. B. die berühmte Trinità Tricefala, eine seltene, anthropomorphe Darstellung der Dreifaltigkeit. Im neueren Teil der linken Seitenapsis befindet sich das große Gemälde einer Kreuzabnahme von Fermo Stella da Caravaggio aus dem Jahre 1548, während sich in der Mittelapsis ein prächtiger, hölzerner Barockchor erhalten hat. Auch der geräumige Kirchplatz, ein ehemaliger Friedhof - eine Beinhauskapelle aus dem 18 Jh. mit schmiedeeisernem Tor bezeugt dies - verleiht dem romanischen Bauwerk weiteren Reiz.
In der NäheDie als Cascine di Armeno; bezeichnete Gegend liegt am Rande des Agognatals, in der kleine Bauerndörfer den Fluss entlang und im dichten Wald entstanden sind. Pezzasco, Tacchino, Sculera, Milanetto, Tabarino, Lanciano, Barozzera, Cassano, Pecorino besitzen alte Steinhäuser, große, grüne Weiden und begeistern durch ihre malerische Atmosphäre. Man meint fast, die Zeit wäre stehen geblieben und bewahre die Unversehrtheit dieser idyllischen Gegend. Zahlreiche gut erhaltene Wege und Saumpfade ermöglichen Spaziergänge und Mountainbike-Touren durch die Wälder. Obwohl viele alte Bauernhöfe von begeisterten Urlaubern gekauft und renoviert worden sind, sind hier noch mehrere traditionelle landwirtschaftliche Betriebe vorzufinden. Von historischem Interesse sind die drei Oratorien der Gehöfte.
Neben dem Oratorium Santissimo Nome di Maria, nahe dem Bauernhof von Barozzera, erhebt sich ein Gebäude, in dem die Anhänger Rosminis gerne Studienaufenthalte verbrachten. Hier hielten sich am 9. und 10. September 1850 Antonio Rosmini und Alessandro Manzoni auf. Gegenüber dem Oratorium von Sant’Antonio Abate, in Cassano, befindet sich das Geburtshaus Giulio Pecoras, der am 24. Juni 1727 geboren wurde, Franziskaner und Patriarch von Konstantinopel. Auf der Fassade des Oratoriums von Sant’Eurosia in Sculera ist eine Gedenktafel zu Ehren König Vittorio Emanueles II. von Savoyen zu sehen, die seine großzügige Spende für den Wiederaufbau des Ortes nach einem fürchterlichen Brand bezeugt.
Miasino ist am Ostufer des Lago d‘Orta gelegen. Spuren einer Besiedlung gehen in diesem Ort auf die Eisenzeit zurück. Im Mittelalter war das bürgerliche und religiöse Leben eng an das der anderen Küstenorte von Orta gebunden, die alle der Herrschaft der Bischöfe und Herzöge von Novara unterstellt waren. Im Jahr 1767 wurde Armeno von Sardinien annektiert, stand später unter lombardischem, schließlich unter habsburgisch-piemontesischem Einfluss. Kulturell hat die Stadt ihre Bedeutung u.a. auch durch die hiesige Privatschule erhalten, die humanistische Fächer lehrt.