Im Mittelalter sollen, einer alten Legende zufolge, in der Nähe der Insel San Giulio, die sich hier imposant aus dem Orta-See erhebt, Drachen existiert haben, die die Gegend mit ihrem Treiben verunsicherten und in einer Grotte nahe dem Städtchen Pella gelebt haben sollen. Sie sollen hier von den Menschen in vielen Kämpfen vertrieben worden sein. Im Inneren der Basilica di San Giulio wird heute noch ein Halswirbel eines solchen Drachen aufbewahrt und bewacht, der noch aus den Zeiten des Kampfes stammen soll. Die Knochen dieses Drachens sollen der Legende nach verborgene Kräfte im Menschen hervorrufen können. Die Fundstücke, die sich erhalten haben, sollen Relikte aus einer Zeit sein, die von den Kämpfen gegen die Drachen erfüllt waren.
Bei der Toten von Agrano handelt es sich um eine mumifizierte Leiche, die noch sehr gut erhalten ist und bereits vor hunderten von Jahren aufgefunden wurde. Die Tote hat noch ein paar Haarbüschel und trägt am Ringfinger einen Ehering. Die Tote steht aufrecht und hat die Hände noch zusammengenommen. Genau in dieser Positon wurde sie damals - im 17. Jh. - aufgefunden. Zu der Toten von Agrano beten die Menschen hier oft in gefährlichen Situationen. Es heißt, dass die Tote den Menschen in ihren Träumen erscheint, um sie vor lebensbedrohlichen Gefahren zu warnen.
Diese Legende erzählt, dass der Doni Doni ein Wilder gewesen sein soll, der im Wald lebte und sich abends in den Häusern gezeigt haben soll, um etwas zu essen und Gesellschaft zu haben. Eines Abends sah der Doni Doni durch dem Fenster eines Hauses einen Tisch mit allen Köstlichkeiten. Also versteckte er sich hinter dem Kaminrost und begann ein fürchterliches Lied zu singen, das folgendermaßen ging: „Doni, Doni geh schlafen wie Gott es befiehlt! Wenn ihr nicht glauben wollt, schaut auf mein Bein!" Und sofort hiernach soll er vom Kamin ein Bein fallen gelassen haben. Die Frauen erschraken ganz fürchterlich und flüchteten.
In der selben Gegend - also in Agrano und im Vergante - ist weiterhin von merkwürdigen Erfahrungen die Rede. Zum Beispiel wird von rosafarbenen Hunden erzählt, die ein menschliches Antlitz haben sollen wie auch von einem Sarg, der die ganze Nacht die Straße überquert haben soll, oder auch von mysteriösen Frauen mit weißen Schirmchen, die Gruppen von Frauen verfolgen, die sich zu Gebetsversammlungen getroffen haben.
Die Legende vom Tumacin stammt ursprünglich aus dem Städtchen Quarna. Es wird erzählt, dass ein kleiner Junge Tommaso eines Tages mit seiner Mutter in die Kirche von San Rocco gegangen sein soll. Da die Mutter sah, dass der Junge sich offenbar langweilte, erlaubte sie ihm, auf der Kirchentreppe auf sie zu warten. Von hier wurde er von einer Hexe geraubt, die selbst keine Kinder hatte. Während ihrer Reise auf dem fliegenden Besen von Quarna nach Vallestrona gelang es dem kleinen Tumacin, sich auf einen Felsen fallen zu lassen, wo er schließlich von seiner Mutter gefunden wurde, die ihn verzweifelt überall gesucht hatte. Sowohl in der Gegend von Quarna wie auch in der Gegend von Vallestrona ist die Figur der Hexe im Volksglauben stark verbreitet. Es wird erzählt, dass sich nachts Gruppen von Frauen hinter den Friedhöfen treffen sollen, um hier böse Riten und schlechte Omen auf die Menschen kommen zu lassen.
Im historischen Zentrum von Invorio Inferiore, auf einem kleinen Hügel gelegen, der die Ortschaft überragt, befinden sich der Turm Visconti und die Überreste einer antiken Burg, die schon um das Jahr 1000 beurkundet waren. Im 13. Jh. gehörte die Festung den Visconti, einem großen, verzweigten Geschlecht aus dem Vergantegebiet (Invorio und Massino Visconti), von dem ein Teil nach Mailand gezogen war, wo sie Ruhm und Macht gewannen. Jahrhundertelang gehörte Invorio dieser Adelsfamilie.
Die Burg wurde während des Krieges mit dem Marchese del Monferrato zerstört und nicht wieder aufgebaut; heute sind nur noch einige, vereinzelte Bauten zu sehen, z. B. der gut erhaltene Zinnenturm im Inneren eines großen Privatparks. Der etwa 17 m hohe Turm mit viereckigem Grundriss besteht aus behauenen, dunkelgrauen Steinblöcken. In ca. 4 m Höhe befindet sich die ursprüngliche Tür, über der eine Marmortafel mit dem Familienwappen angebracht ist: eine von Dornen umgebene Schlange, die ein Kind mit ausgebreiteten Armen halb verschlingt.
Auf den Seiten des Turmes sind einige kleine Fenster zu sehen; das Innere war mit Holzbalken in drei Etagen aufgeteilt und mit einem Tonnengewölbe überdacht. Über der Steintraufe befinden sich die typischen Zinnen. In der ganzen Umgebung herrschen die eindrucksvolle Ruhe der üppigen Tannen, Kiefern und Linden und das bezaubernde Grau der beiden Ringmauern und der Burg.