Entlang des Flusses Toce setzt sich aus mehreren Ortsteilen die Gemeinde Formazza zusammen, das antike Pomatt, eine Walsergründung des 13. Jh., die heute mi 13.000 Hektar als flächenmäßig größte Gemeinde der Provinz gilt. Alle Ortsteile sind - wie übrigens auch die Siedlung Macugnaga - stark von der Kultur der Walser geprägt, die sowohl die Architektur als auch den typischen Dialekt mit ihren eigenen Traditionen durchdringt.
Zwischen den ausgedehnten Buschwäldern aus Nadelgehölzen, den charakteristischen Almweiden, den nackten Felswänden und dem im Überfluss vorhandenen Quellwasser erheben sich die typischen Wohngebäude mit ihren Sockelgeschossen aus Stein, die häufig mit den traditionellen Funghi (Pilzen) erhöht sind, und mit ihrem hölzernen Oberbau.
Im Ortsteil Ponte kann man die Casa Forte aus dem Jahr 1569 bewundern, die früher dem Richter und Bürgermeister der Stadt als Wohnsitz diente. Das robuste Gebäude diente darüber hinaus als Gefängnis oder als Depot für Hab und Gut derjenigen Reisenden, die die Vie delle Alpi, also die Alpenpässe Passo del Gries und Passo S. Giacomo, überquerten. Heute wird das Haus als eine Art Museum genutzt, das dem Fremden anhand von monographischen Sammlungen und Ausstellungen vom bäuerlichen Leben im Vallese erzählt.
Nicht nur in Ponte, sondern auch in Canza, Riale und Grovella haben sich Elemente erhalten, die uns zur Bürgerarchitektur des 17. und 18. Jh. zurückbringen mit ihrer typischen, von der alemannischen Volksgruppe der Walser verwendeten Dachdeckung mit Holzschindeln.
Das Formazza-Tal bietet in der Ortschaft La Frua, auf 1861 m Höhe, einen der schönsten Wasserfall der Alpen: die so genannte Cascata del Toce. Bei diesem Naturschauspiel rauscht das Wasser über einen Höhenunterschied von nicht weniger als 143 m und fächert sich dabei zu einer Breite von 60 m auf. Der Wasserfall wird zur Energiegewinnung verwendet und daher normalerweise durch Leitungen geführt. Nur an bestimmten Tagen im Sommer und zu bestimmten Zeiten kann man dieses außerordentliche Spektakel bewundern. Beim höchsten Punkt des Wasserfalls wurde im Jahr 1863 ein Hotel errichtet, das die Ausflügler beherbergen sollte, die hier zwischen Bergen und Gletschern wanderten. Nebenan steht die kleine Kirche der Madonna della Neve aus dem Jahr 1621. Wenn man die Straße weiterfährt, erreicht man die riesige Wand der Talsperre von Morasco, die man auf einem interessanten Durchgang überqueren kann. Und dahinter geht es weiter: auf verschlungenen Wegen erreicht man einen weiteren künstlichen See, den von Sabbione, in dessen Nähe es auch einige Berghütten gibt, z. B. Mores, Somma und Busto. Über den Gries-Pass auf 2463 m kommt man von diesem See aus bis in die Schweiz, um dann über den Passo S. Giacomo auf 2313 m wieder nach Italien zurückzukehren.
Auf dem Rückweg streift man den Toggia-See, der sein Wasser von dem darüber liegenden Castel-See bekommt. Weiter zum Tal hin liegt die letzte, Maria Luisa genannte Hütte, auf die man trifft, kurz bevor man die Ebene oberhalb des Wasserfalls wieder erreicht. Der Wasserfall kann von Ende Juni bis September besichtigt werden, und zwar jeden Sonntag, an einigen Samstagen und in der Zeit um den 15. August. Den ganzen Sommer hindurch sind daneben wöchentliche Öffnungen vorgesehen, die sich von Jahr zu Jahr ändern.