Eine sehr alte Legende erzählt, dass die Pfarrkirche von Cravegna von den zwei Heiligen Julius und seinem Bruder Julianus errichtet worden sei. Die beiden Brüder waren dieser Legende nach aus Griechenland nach Italien gekommen, zu Zeiten des Herrschers Theodosius, also im letzten Viertel des 4. Jahrhundert n. Chr., mit dem Ziel, diese Gegend zu christianisieren, die zu dieser Zeit noch nichts von der christlichen Botschaft angenommen hatte. Die Bekehrung zum christlichen Glauben sollte aber Schritt für Schritt behutsam durchgeführt werden: durch Predigten des christlichen Glaubens.
So sollen Mönche und Missionare in die Ossola-Täler gekommen sein, um diese Arbeit zu leisten. Die Heiligen sollen in der Folge just das Gebiet rund um den Lago Maggiore, das Cusio- und Ossola-Gebiet, für ihre Missionierungsbestrebungen gewählt haben. Die Heiligen sollen bis zum Ort Brebbia vorgestoßen sein und im Verlauf der Zeit über hundert kleine Kirchen und Kapellen in dieser Gegend gegründet haben. Literarische Quellen bezeugen, dass die Kirche von Cravegna hiervon die erste Kirche gewesen sein soll, die von den zwei Heiligen errichet worden ist. In den Quellen heißt es, dass Julius und sein Bruder Julianus portossi nell’Ossola, ed in primo luogo si condusse a Cravegna, dove eresse la chiesa parrocchiale, d.h. dass Julius und sein Bruder die Ossola-Täler erreichten, und zuerst in Cravegna eine Kirche errichteten.
Erst zu späterer Zeit sollen die Kirchen von S. Maria Maggiore in der Val Vigezzo, das Oratorium in Druogno, die Kirche von S. Quirico di Calice bei Domodossola und andere Kirchen erbaut worden sein.
Der vielsagende Name, den die Einheimischen diesem Ort gaben, deutet schon auf die zahlreichen Legenden hin, die sich im Lauf der Zeit um ihn gebildet haben. Die imposante Wand ist etwa 20 m lang, 6,50 m hoch und 13 m tief. Sie besteht aus riesigen Steinblöcken, die ein nach den vier Himmelsrichtungen angelegtes Rechteck bilden und eine weite Terrasse an drei Seiten umschließen. Bisher ist es noch nicht gelungen, eine genaue Datierung der Anlage zu geben, auch wenn in der Umgebung Fundstücke aus prähistorischer und frühgeschichtlich-römischer Zeit ausgegraben wurden, die historisch weit zurück verweisen.
Was die Bedeutung der Anlage angeht, so hat sich die Hypothese durchgesetzt, diesen Ort als einen Ort für kultische Zeremonien anzusehen. Jüngere Forschungen haben ergeben, dass die Hauptmauer einen Bereich umgab, in dem sich andere Gebäude aus Stein befanden, die möglicherweise ebenfalls mit der Kultstätte in Verbindung standen. In der Umgebung gibt es noch einige weitere archäologisch interessante Phänomene, wie zum Beispiel Felshöhlen und zahlreiche Tiegel, also Felszeichnungen, im Ort Alpe Aleccio. Im Ossola-Gebiet sind überhaupt viele Megalithkomplexe erhalten, unter anderem die von Castelluccio und die von Croppole in der Gemeinde Montecrestese.