Am ersten Nachmittag dieses Wettkampfes auf dem See laufen die Mannschaften von Arona, die gegeneinander antreten werden, erst einmal in historischen Kostümen aus dem 15. Jh. durch die Straßen der Stadt - vom Corso Repubblica bis zur Piazza del Popolo.
Die Fahnenschwenker, Sbanieratori di Asti dei Rioni genannt, erfreuen mit folkloristischen Darbietungen Einwohner und Besucher der Stadt. Auch andere Gruppen, wie die der Scuola di Falconeria, tun es ihr gleich. Wenn diese Vorstellungen beendet sind, gibt der Bischof von Arona seinen Segen, um die Mannschaften dann ihrem Wettstreit auf dem See zu überlassen. Im Jahr 2006 fand der Palio Nautico an einem sonnigen Sonntag im August statt. Bereits zum zweiten Mal hatte die Mannschaft vom Centro storico den ersten Platz gewonnen.
Am Ende des Wettkampfs findet immer noch eine Lotterie statt, die Lotteria del Palio Remiero, bei der immer attraktive Preise zu gewinnen sind. Der Palio ist bei Einheimischen und Besuchern sehr beliebt und zieht immer wieder viele Schaulustige an. Eine der ersten Pferderennen von Arona fand im Jahr 1901 statt. Der Name Palio leitet sich von dem Wort Palium, ab, was so viel wie Mantel bedeutet, und war im Mittelalter die Fahne, die den Siegern der Wettkämpfe überreicht wurde. Später wurde dieser Begriff auch für den Wettkampf an sich übernommen, der auch heute noch so bezeichnet wird. Man denke nur an den Palio von Siena, den Palio von Arezzo oder den Palio von Ferrara.
Das heutzutage bewaldete Tal, das vom Strolo durchflossen wird, war früher eine Art Industriegebiet mit Mühlen und verschiedenen Werkstätten: eine molaza, die Eichenrinde für die Gerbung von Leder mahlte, Hanfwebereien, eine Spinnerei, die etwa 100 Arbeiter beschäftigte, eine kleine Elektrozentrale und Fabriken, wo Eisen bearbeitet und Papier hergestellt wurde. Von diesen blühenden Betrieben sind nur noch wenige Ruinen übrig geblieben, von denen allerdings zwei noch zu besichtigen sind.
Die Brocchetta ist ein kleines Steingebäude, an das ein weiteres Bauwerk mit einem schönen Backsteinschornstein angebaut wurde, dem man vom Zentrum von Nebbiuno Richtung Via delle Fabbriche begegnet. Mitte des 19. Jh. begann die Bearbeitung des Eisens. Vor allem die Herstellung von Nägeln, die hier von Hand geschmiedet wurden. Diese Produkte müssen sehr gefragt gewesen sein, denn die Fabrik, die sich dank der ersten Maschinen vergrößerte, belieferte sogar die königliche Armee.
Auf einem Felsvorsprung in etwa 80 Meter Höhe über dem Tal, nahe dem Zufluss der Wildbäche Stolo und Colorio, befindet sich die Papierfabrik Follaccia, die um 1850 von Damiano Emilio Lebore von Albertville, bekannt als Signor Lebon, gegründet wurde. Wegen ihrer Lage, der schlichten aber stabilen Struktur mit Aussicht, erinnert diese Fabrik an Manzonianische Gebäude. Hier begann Signor Lebon die Herstellung von Papier aus Stroh, das die einheimischen Bauern ihm lieferten: Die pesti verfeinerten den Papierbrei und das Papier wurde anschließend getrocknet. Es wurden Versuche gemacht, Papier aus Maisstengeln und Maiskolbenspindeln zu produzieren. Der Erfolg der Fabrik war so groß, dass in wenigen Jahren weitere sechs Papierfabriken in der Umgebung eröffnet wurden.
Die Legende erzählt, dass es in Arona einmal einen Felsen gegeben haben soll, der sich nur alle 100 Jahre einmal auftat, um einen kleinen Pfad erblicken zu lassen, der, wem es gelang, diesem zu folgen, in einen wunderschönen Raum führte, der kostbar mit Teppichen, kostbaren Steinen und Stoffen ausgeschmückt war. Auf einem Tisch in der Mitte des Raumes standen eine Kuhglocke aus Gold und ein Tresor, gefüllt mit Schmuck und Juwelen, neben denen ein wunderschönes Mädchen schlief. Die Fee, die alles überwachte, bot demjenigen an, der es geschafft hatte, bis hierher vorzudringen, sich eines der drei Geschenke auszusuchen, das eine große Bedeutung für sein weiteres Leben haben würden.
Die Kuhglocke würde seine Weiden und Wiesen für immer blühen lassen, der Tresor würde ihm materiellen Reichtum bringen und das Mädchen, wenn es aus seinem magischen Schlaf erst einmal wieder erwacht sei, könnte seine Frau werden. Von der Wahl eines dieser Geschenke würde das weitere Leben in jedem Fall schicksalhaft bestimmt sein.
Der Legende nach soll ein Mann, der bis hierher gekommen war, unter den Geschenken die vergoldete Kuhglocke gewählt haben. Seine Weiden gediehen prächtig und weckten den Neid aller Schäfer der Gegend. Aber der Mann pflegte diese Weiden nicht, ließ sie nach und nach verkommen, weil ihm das Bild des Mädchens in Erinnerung geblieben war. Er war so besessen von diesem Bild, dass er in Gedanken daran starb.