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Romagnano-Sesia
Die mittelalterliche Brücke von Romagnano Sesia
Von dem alten Bau, der einst den Fluss Sesia überspannte und die Dörfer Romagnano und Gattinara verband, sind noch drei Bögen erhalten. Insgesamt waren es wahrscheinlich etwa 60 Bögen, die drei erhaltenen stehen heute mitten in einem grünen Park und weit ab vom Fluss, der im Jahr 1655 umgeleitet wurde, um die Ortschaften vor Überschwemmungen zu schützen. Die drei Bögen werden im Volksmund Sündentore oder Teufelstore genannt; ihre Datierung ist unsicher: nach Meinung einiger Forscher stammen sie aus römischer oder noch älterer Zeit, andere datieren sie ins 12. Jh. und vermuten die Stadt Novara als Auftraggeber. Sie sind aus Steinen aus dem Fluss errichtet, die im Fischgrätenmuster angeordnet und mit Kalkmörtel verbunden sind. Die Bögen neigen sich zum rechten Ufer hin, stehen aber senkrecht zum früheren Flussverlauf.
Wahrscheinlich verband die Brücke nicht die beiden am nächsten zueinander gelegenen Punkte am Ufer, sondern orientierte sich an Felsen, die aus dem Wasser ragten und für die Fundamente genutzt wurden dafür spricht auch der unterschiedliche Abstand zwischen den einzelnen Bögen. Im Jahr 1223 wurde die Brücke nach einer entsprechenden Abmachung zwischen den Städten Novara und Vercelli zerstört. Dennoch sind auch die wenigen heute noch zu sehenden Reste beeindruckend: zum einen wegen der gewagten architektonischen Konstruktion an sich, zum anderen wegen der Vorstellung, dass hier, wo heute friedlich Primeln und Veilchen blühen, einst die unbändige Sesia rauschte.
Sarkophag, Säulenstumpf aus der Römerzeit, Wehrturm des Prätoriums
In der Kirche San Silvano kann man zwei sehr alte, weiße liturgische Gegenstände bewundern: einen frühchristlichen, als Altar verwendeten Sarkophag aus dem 5. Jahrhundert und den Stumpf einer Votivsäule, die auf das 2. bis 3. Jh. zurückgeht. Der Sarkophag ist auf seiner Vorder- und Rückseite mit Architekturmotiven verziert: vorne befindet sich zwischen zwei Bögen ein Fries, das das christliche Martyrium symbolisiert, während auf der Rückseite rechts ein unregelmäßiger Zierstreifen eingemeißelt wurde. Dieses Objekt war seit alter Zeit unter dem Hochaltar der Kirche vergraben und kam 1770 bei Bauarbeiten wieder ans Licht, als der alte Altar durch einen neuen ersetzt werden sollte.
Im Beisein des Bischofs und der gesamten Gemeinde wurde der Deckel gelüftet, und im Inneren kam eine hölzerne Urne zum Vorschein, die die Reliquien des römischen Märtyrers Sankt Silvanus (San Silvano) enthielt, des Schutzheiligen von Romagnano Sesia. Was die Votivsäule angeht, so wurde übrigens auch sie ursprünglich geleert, um die Reliquien der Heiligen Felicitas aufzunehmen. Sie ist auf allen Seiten mit nicht sehr gut erhaltenen spiralförmigen Säulen, korinthischen Kapitellen und im oberen Bereich mit einem Band mit floralen Motiven verziert.
Interessant sind die beiden männlichen Figuren, die auf der Vorder- und Rückseite im Profil zu sehen sind: die Chlamys, eine Art langes Gewand, lässt vermutlich darauf schließen, dass hier zwei römische Beamten dargestellt sind, die kurioserweise schielen vielleicht weil der Künstler zu nah am Bild oder aber nicht an einem Stück gearbeitet hat. Wenn man diese beiden bedeutsamen archäologischen Funde besichtigt, sollte man die Gelegenheit nutzen, bei den zahlreichen in der Kirche aufbewahrten Kunstwerken zu verweilen. Darunter befindet sich das prächtige Gemälde einer Madonna mit Kind, das Gian Giacomo de Alladio, genannt Macrinio, 1513 gemalt hat, und die beiden Werke Ecce Homo und Pfingsten, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Bernardino Lanino geschaffen wurden.
Der Wehrturm des Prätoriums, der sich im Herzen des Dorfes befindet, wurde vermutlich 1466 errichtet. Er war der Wohnsitz der Marchesi Romagnano, einer Familie, die Jahrhunderte zuvor im Gefolge der Karolinger nach Italien kam und den Ortsnamen als Familiennamen übernommen hat. Später wurde der Turm zum Wohnsitz des Prätors oder Podestà, also des Mannes, der im Auftrag der Marchesi die Lehen verwaltete.
Klar erkennbar sind die baulichen Merkmale, die auf das 15. Jh. schließen lassen: die aus häufig im Fischgrätmuster angeordneten Kieseln gebauten Wände, die Schießscharten, die als Öffnungen in den senkrechten Wandvorsprüngen zu sehen sind, und die Wehrkrone oben auf dem Turm.
Der unterste Teil des Wehrturms scheint zu einem noch älteren Bauwerk zu gehören, möglicherweise zu einem schon vorher existierenden Kastell. Der Turm ist alles, was von dem Festungsviereck übrig blieb, in dessen Innerem sich der historische Ortskern des Dorfes Romagnano Sesia entwickelte. Zur Verteidigung der Festung gab es mehrere Gräben, die zu Beginn des 19. Jh. zugeschüttet wurden, um die heutige Piazza Cavour und die Via 1 Maggio anzulegen. Erwähnung verdient außerdem die skizzenhafte Abbildung einer großen Waffe, die in trockener Malweise auf die Fassade eines Hauses im ländlichen Stil westlich vom Turm, zum Platz hin, gemalt wurde.

