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Das Valle Vigezzo
Die Heimat der Kunstmaler und Schornsteinfeger
Das Vigezzotal präsentiert eine wunderschöne, in vielen Schattierungen sich darbietende Landschaft und bildet sozusagen die Veranda auf der Monte Rosa- Bergkette. Durch das zur Schweiz sich öffnende Tal fährt die historische Vigezzina-Bahn, welche die zwei Länder über eine Strecke von 55 km mit Galerien, Schluchten und eindrucksvollen Aussichten verbindet. Das Tal beginnt mit der Ortschaft Masera, dann kommt Montecretese, in der sich der höchste Glockenturm des Ossola-Tals befindet, und schließlich Trontano, eine Gemeinde des Naturparks Val Grande.
Weiterhin liegen hier auch die Orte Druogno und Santa Maria Maggiore, in der das Museum der Schornsteinfeger zu finden ist, das einzige seiner Art in Italien. In diesem multimedial eingerichteten Museum kann man selbst ausprobieren und nachvollziehen, wie sich ein Schornsteinfeger in den engen, rußigen Kaminschächten gefühlt haben muss. Eigens hierfür nachgebaute Kaminschächte mit Geräuschen und Gerüchen versetzen in die Lage der spazzacamini, der Schornsteinfeger aus dem Vigezzo-Tal, die hier ein hartes, sehr entbehrungsreiches Leben geführt haben. Einem Schornsteinfeger-Jungen, der sehr früh bei dieser gefährlichen Tätigkeit ums Leben gekommen ist, wurde in der Stadt ein Denkmal gesetzt.
Das Vigezzo-Tal gilt unter Kunstkennern als das Tal der Maler. Hier haben Künstler wie Rosetti Valentini, Gian Maria Rastellini, Lorenzo Peretti oder Enrico Cavalli gewirkt, die vor allem durch die Darstellung von Landschaften über die Grenzen von Italien bekannt geworden sind. Das Vigezzotal ist außerdem reich an Malerei, die man z. B. in den schönen mit Fresken ausgemalten Kirchen bewundern kann. In Bezug auf die Kirchen befindet man sich hier fast am Ende des Tales. Hier, in der Ortschaft Re, steht eine gotische bzw. byzantinische Wallfahrtskirche, die der Madonna des Blutes geweiht ist, die dort im Jahr 1494 erschienen sein soll.
Das Heiligtum von Re
Das Gebiet von Re gehörte früher dem Herrschergeschlecht der Borromeo. Es liegt auf einer Höhe von 710 m und ist nur 7 km von der Schweizer Grenze entfernt. Seit langer Zeit strömen die Gläubigen hier zusammen, um beim Heiligtum der Blutmadonna zu beten. An dessen Stelle stand früher die kleine Pfarrkirche S. Maria, an deren Fassade ein Gemälde der Madonna mit Kind angebracht war. Es heißt, dass am 29. April 1494 Giovanni Zuccone einen Stein gegen das Bild geschleudert und die Madonna an der Stirn getroffen haben soll. Darauf quoll 20 Tage lang Blut aus dem Gesicht hervor. Danach entschied der Bischof von Novara, die Kirche in ein Heiligtum zu verwandeln. Die Arbeiten begannen im 17. Jh. und zogen sich lange, bis in das Jahr 1922 hin. Das besagte Marienbild wird heute beim barocken Hauptaltar aus Marmor aufbewahrt. An der Rückseite des Altars befindet sich ein Tabernakel, in dem noch etwas von dem Blut erhalten ist, das während des Wunders geflossen sein soll. Der neuere Teil der Kirche wurde in dem hiesigen grauen Stein errichtet; an den Säulen und in den drei Kirchenschiffen ist der Kreuzweg dargestellt. Vor wenigen Jahren wurde neben dem Heiligtum eine Herberge für Pilger und ein Haus für spirituelle Übungen errichtet.
Der Centovalli-Zug
Der Bau einer Eisenbahnstrecke entstand aus dem Bedürfnis der Bewohner des Tals, hier eine eigene Zugverbindung zusätzlich zur Simplonbahn zu erhalten, die gewissermaßen auch den technischen Fortschritt des neuen Zeitalters symbolisieren sollte. Also wurde mit der Ausarbeitung eines Projekts begonnen, das sich auch auf das Schweizer Gebiet erstreckt: eine Verbindung zwischen Domodossola und Locarno sollte hergestellt werden. Zur Projektierung wurden zwei Komitees gebildet. Nachdem das Ergebnis im Jahr 1905 vorgestellt worden war, übergab man die Plaung den italienischen Ingenieuren Candiani und Marzoli. Die Gründung der Società Subalpina di Imprese Ferroviarie (SSIF) wurde 1911 in Mailand vollzogen.
Aber erst 1923 trafen sich die beiden aufeinander zuwachsenden Bauabschnitte, und die Verbindung konnte am 25. November eingeweiht werden. Die Strecke ist 52 Kilometer lang und umfasst 83 Brücken und 31 Tunnel. Die Bahn wurde Blauer Vigezzina-Zug getauft und durchfährt bezaubernde Landschaften im Osten des Vigezzo-Tals. Auf Schweizer Gebiet beeindruckt vor allem der künstliche See von Camedo. Auch eine Reise mit dem Lago Maggiore Express, der in einem Tag mit einer Fähre über den Lago Maggiore von Stresa nach Locarno übersetzt, und dann das Vigezzo-Tal mit dem bequemen Centovalli-Zug durchquert, sollte einmal ausprobiert werden.

